10 Jahre German Railroads
Ein Rückblick
Das Spiele-Genre der virtuellen Eisenbahn spielte bis 2001 keine größere Rolle. Natürlich gab es auch davor schon Programme,
die sich an diesem Thema versuchten. Aber es blieben kommerziell gesehen immer nur Randerscheinungen. Erwähnenswert aus
deutscher Sicht sind mit Sicherheit ZuSi als ernsthafte Simulation des Zugfahrens, aber mit sehr einfacher Graphik der
Umgebung, und Eisenbahn.exe Professional als Simulation einer Modelleisenbahn, mit der auch eigene Strecken gebaut werden
konnten. Aber eben eher auf Modellbahn-Größe.
Im Sommer 2001 kam dann mit einem Paukenschlag der Microsoft Train Simulator auf den Markt. Zum ersten Mal wurde hier
aktuelle Spielegraphik mit der ernsthaften Simulation einer Lokführer-Simulation gepaart. Dank unfangreicher Werbemaßnahmen
von Seiten Microsofts erhielt das Programm schnell einen recht großen Bekanntheitsgrad.
Allerdings hatte das Programm ein ganz großes Manko. Es waren keinerlei deutsche Strecken oder Fahrzeuge enthalten. Zwar
waren die beiden amerikanischen, die englische, die österreichische und die beiden japanischen Strecken zum Spielen sehr gut
geeignet. Aber der deutsche Konsument wünschte sich doch sehnlichst deutsche Strecken und Lokomotiven.
Eine Gruppe um Herrn Steinberg gründete mit ProTrain das erste Label, welches sich als Ziel gesetzt hatte, deutsche Inhalte für
den MSTS zu produzieren. Das erste Projekt war das Rheintal von Köln bis Frankfurt. Ulf Freudenreich und ich (Ernst
Tollknaepper) waren an dem Projekt beteiligt. Ulf schon damals als Fahrzeug-Designer und ich eher als Strecken-Techniker. Über
die Qualität dieses Add-Ons möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Aber für damalige Verhältnisse war es eine
Sensation. Das ProTrain Rheintal ist mit Abstand das erfolgreichste Add-On für den MSTS weltweit. Endlich konnte man mit der
Baureihe 103 oder auch dem ICE 3 durch Deutschland fahren. Die Spieler waren begeistert. Als Ende 2001 dieses Add-On auf
den Markt kam, wurde schnell klar, dass es in Deutschland einen sehr großen Markt für diese Art von Simulation gibt. Nach Ende
des Projektes löste sich ein Teil der Gruppe auf. Wobei Herr Steinberg weiterhin das Label ProTrain entwickelte und das auch sehr
erfolgreich.
Ulf Freudenreich und ich haben uns während dieses Projektes kennen gelernt. Und nach dessen Ende trafen wir uns einfach mal
unverbindlich zu einem Gespräch. Mir war schon klar, dass diese Idee sehr interessant ist und auch Ulf war der Meinung, dass
man aus dieser Geschichte mehr machen könnte. ich hatte schon ein komplettes Konzept in der Schublade mit Strecke,
Fahrzeugen und Ideen. Und nachdem auch der Vertrieb durch Koch-Media gesichert war, entschlossen wir uns, die Pläne in die
Tat umzusetzen.
Im Dezember 2001 wurde es dann ernst. In meinem Konzept wollte ich eher Richtung historischer Eisenbahn gehen. Auch als
Abgrenzung zu ProTrain, die weiterhin auf die moderne Bahn setzten. Entschieden hatte ich mich für die Biggetalstrecke, welche
ich von vielen Motorrad-Touren her kannte. Auch die Fahrzeuge mit V100 und Schienenbus waren schnell festgelegt. Wir machten
dann unsere erste Ortsbesichtigung. Dabei stellte sich dann heraus, dass es überhaupt nicht einfach war, eine historische Strecke
nachzubauen, von der man viele Streckenteile heute überhaupt nicht mehr findet. Eine alte Straßenkarte aus den Siebzigern
diente als Anhaltspunkt. Dort waren die Eisenbahnschienen ja eingezeichnet. Das war schon extrem spannend. Viele Bahnhöfe
existierten sogar noch als Gebäude, jetzt aber als Wohnhaus.
Wieder zuhause ging es an die Umsetzung. Uns fehlten viele Tools, die das Leben heute erheblich erleichtern. Höhendaten
importieren, Marker-Dateien erstellen und auch Graphiken bearbeiten waren Aufgaben, die man häufig zu Fuß machen musste.
Heute gibt es dafür tolle Tools. Aber in den Anfangsjahren kämpften alle mit den Tücken der Aufgaben. Dank unserer Webseite,
die wir frühzeitig aufgebaut haben und unseres eigenen Webshops wurden wir schnell bekannt. Der Zuspruch und die Anzahl der
Vorbestellungen machten uns sehr optimistisch.
Geplant war ein Release im Frühjahr 2002. Es wurde dann zwar Ende Mai, aber wir waren sehr zufrieden. Mit “Die Siebziger
entlang der Bigge” war das erste Add-On unter dem Namen German Railroads erschienen. Und der Verkaufserfolg machte uns
Mut, das nächste Projekt anzugehen. Dieses Mal sollte es etwas größer und schneller werden. Die Spieler wollten ja nicht nur mit
80 km/h durch die Berge zuckeln sondern auch mal 160 km/h auf zweigleisiger elektrifizierter Strecke Gas geben.
Wir entschieden uns für die Rollbahn von Münster nach Bremen. Als Highlight sollte neben den Einheits-Elloks auch der VT 11.5
und der ET 403 (Donald Duck) enthalten sein. Daher auch der Name des Add-Ons “Schnelltriebwagen auf der Rollbahn”. Dazu
kam dann auch noch der VT 08. Zum Weihnachtsgeschäft 2002 war diese Strecke im Handel. Und wir müssen heute feststellen,
dass es das erfolgreichste German Railroads Produkt bis zum heutigen Tage ist.
German Railroads hatte sich seinen Platz in diesem Genre erarbeitet und war aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Sogar
englische Versionen kamen in England und den USA auf den Markt. Es war schon so etwas wie ein Hype zu verspüren. Das betraf
natürlich auch die Produkte der anderen Anbieter. Für alle war es eine sehr erfolgreiche Zeit.
Eisenbahn-Simulation auf höchstem Niveau
© 2011 - German Railroads - Ernst Tollknaepper